Große Gefühle bei kleinem Teelicht

Tobias Kratzers „Walküre“ an der Bayerischen Staatsoper: szenisch plausibel, sängerisch stark, orchestral durchwachsen
München, , Christian Gohlke
Als Richard Wagners „Rheingold“ im späten Herbst 2024 an der Bayerischen Staatsoper Premiere feierte, war die Spannung enorm – denn Tobias Kratzer, der seit seinem Bayreuther „Tannhäuser“ zu den profiliertesten Regisseuren unserer Zeit gehört, hatte für die Neuinszenierung des „Rings des Nibelungen“ gewonnen werden können. Jetzt, nach fast zwei Jahren Pause, folgte mit der Premiere der „Walküre“ die Fortsetzung im Nationaltheater. Konnte Kratzer die hohen Erwartungen, die sein Engagement hervorrief, erfüllen? Wohl doch nur zum Teil.Die Handlung erzählt der Regisseur geradlinig und mit Sinn für stimmige psychologische Details. Durch Video-Einspielungen (eingeblendet auf einer wenig elegant sich jeweils absenkenden Leinwand in der oberen Bühnenhälfte) wird die Vorgeschichte mancher Figuren erhellt. Offenbar spielt diese „Walküre“ in unserer Gegenwart, wobei die Welt der ewigen Götter als zweite Ebene in sie hineinragt: Erscheinen Siegmund, Sieglinde und Hunding in gewöhnlicher Alltagskleidung, so stehen die Figuren aus göttlicher Sphäre im germanisch anmutenden Habit samt Schild, Schwert und Flügelhelm dieser prosaischen Realität als Konterpart entgegen. In einem biederen Vorstadthäuschen mit vergitterten Fenstern, holzgetäfeltem Wohnzimmer samt Hausaltar wohnt der düstere Hunding, den Ain Anger eher als gefährlichen Spießbürger denn als bedrohlichen Finsterling darstellt, wozu denn passt, dass seinem
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